Die Entstehung der Hansaponik
Wie lassen sich Lebensmittel regional, ressourcenschonend und mitten in der Stadt produzieren? Und wie können ehemalige Industrieflächen nachhaltig genutzt werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Hansaponik auf der Kokerei Hansa in Dortmund. Die Aquaponik-Anlage wurde als Forschungs- und Demonstrationsstandort aufgebaut und verbindet wissenschaftliche Arbeit mit praktischer Anwendung.
Die HansaPonik wird vom Fachbereich Agrarwirtschaft der Fachhochschule Südwestfalen und dem gemeinnützigen Verein die Urbanisten betrieben. Sie ist Teil des Verbundforschungsprojekts EuRipidEs, das im Oktober 2025 gestartet wurde und durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert wird. Ziel des Projekts ist die Weiterentwicklung geschlossener, ressourcenschonender Systeme zur Produktion frischer Lebensmittel.
Ihre Wurzeln hat die Hansaponik im europäischen Forschungsprojekt proGIreg. Hier wurden naturbasierte Lösungen für urbane Räume erprobt und neue Formen ökologischer Produktion auf industriell geprägten Flächen entwickelt. Die Kokerei Hansa bietet dafür einen besonderen Rahmen. Wo früher Koks und chemische Nebenprodukte hergestellt wurden, entsteht heute ein Ort für nachhaltige Lebensmittelproduktion, Bildung und gemeinschaftliches Engagement.
Das Projekt in der Praxis
Die HansaPonik ist ein Ort zum Forschen, Ausprobieren und Mitmachen. Hier kannst du erleben, wie innovative Formen urbaner Landwirtschaft funktionieren und wie nachhaltige Lebensmittelproduktion auf Verbrauchernah gelingen kann. In unseren beiden Gewächshäusern testen wir neue Entwicklungen direkt vor Ort. Wir erforschen, wie Aquaponik effizienter und ressourcenschonender funktioniert. Moderne Sensoren und Künstliche Intelligenz helfen dabei, den Betrieb zu überwachen, Anpassungen auszuwerten und Verbesserungen sichtbar zu machen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Beteiligung der Öffentlichkeit. Im Rahmen des Mietbeet-Konzepts kannst du während des Forschungsprojekts kostenlos eine Parzelle nutzen, dort Gemüse anbauen, Fisch ernten und die Abläufe der Anlage hautnah miterleben. Zudem produzieren wir für die nahegelegene Gastronomie Dinner und Co. und verbinden so wissenschaftliche Arbeit mit praktischer Anwendung.
Aquaponik erklärt
Aquaponik ist eine nachhaltige Form der Lebensmittelproduktion, die sehr alte Wurzeln hat. Schon in frühen Kulturen erkannten Menschen den Nutzen der Verbindung von Fischen und Pflanzen. In Asien bauten Bauern vor über zweitausend Jahren Reis in überschwemmten Feldern an und setzten Fische dazu, weil ihre Ausscheidungen den Pflanzen wichtige Nährstoffe lieferten und gleichzeitig Schädlinge verringerten. Auch die Azteken bauten auf künstlichen Inseln, den sogenannten Chinampas, Pflanzen über nährstoffreichem Wasser an, was heute als früher Vorgänger moderner Aquaponik gilt.
Heute macht Aquaponik diese uralten Prinzipien mit moderner Technik wieder nutzbar und nutzt sie für effiziente, ressourcenschonende Produktion. Das System verbindet Fischzucht und Pflanzenanbau in einem geschlossenen Kreislauf. Fische werden in Becken gehalten und nehmen Futter auf. Dabei entstehen natürliche Abfallstoffe, die im Wasser gelöst bleiben. Diese Nährstoffe sind für Pflanzen wertvoll, aber sie müssen zuerst von speziellen Bakterien umgewandelt werden, damit die Pflanzen sie aufnehmen können. In der Aquaponik wird das nährstoffreiche Wasser aus den Fischbecken zu den Pflanzen geleitet. Die Pflanzen nutzen die Nährstoffe für ihr Wachstum und reinigen dabei gleichzeitig das Wasser. Das gereinigte Wasser fließt zurück zu den Fischen und der Kreislauf beginnt von vorn.
Der Kreislauf von Fisch und Pflanze
Quelle: Die Urbanisten e.V.
Vorteile der Aquaponik
Aquaponik bringt zahlreiche ökologische und praktische Vorteile mit sich. Die Produktion erfolgt regional und verbrauchernah, lange Lieferketten und die damit verbundenen CO2-Emissionen entfallen. Chemisch produzierte Dünger werden kaum benötigt, da die Nährstoffe überwiegend aus dem Fischwasser stammen. Durch den geschlossenen Wasserkreislauf entstehen kaum Abwässer, und der Energieaufwand für Reinigungsprozesse, wie sie in konventioneller Aquakultur nötig wären, wird reduziert. Die Pflanzen sind optimal versorgt, und Schadstoffe durch Pflanzenschutzmittel gelangen nicht ins System, da ausschließlich Nützlinge eingesetzt werden. Für Verbraucher*innen entstehen so frische, regionale Lebensmittel, die nachhaltig und klimafreundlich produziert werden.